DIE GESCHICHTE
In einer Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr Finthen wurde bereits im
Jahre 1926 von dem damaligen Ehrenbrandmeister Peter Reichert die Frage
aufgeworfen, ob es nicht zweckdienlich sei, innerhalb des im Jahre 1924 neu-
gegründeten Kreisfeuerwehrverbandes Mainz, eine Sterbegeld-Unterstützungs-
kasse ins Leben zu rufen. Dabei lag der Gedanke zu Grunde, den Hinter-
bliebenen eines verstorbenen Kameraden von jedem Feuerwehrmann eine so-
genannte "Kranzspende" in Höhe von 30 Pfennigen zukommen zu lassen, um
ihnen in ihrer ersten und größten Not eine fühlbare Hilfe zu leisten.
Man war sich einig, dass die viel gepriesene Kameradschaft unter Feuerwehr-
männern an der Bahre eines Kameraden nicht halt machen dürfte, im Gegen-
teil, sie müsse über das Grab hinaus wachsen. Dieser Gedanke fand damals in
der Freiwilligen Feuerwehr Finthen begeisterte Zustimmung.
Der Schriftführer der Feuerwehr Finthen, Jakob Heinrich, der später auch als
Schriftführer dem Vorstand des Kreisfeuerwehrverbandes Mainz angehörte,
wurde beauftragt, bei allen sich bietenden Gelegenheiten Propaganda für die
Gründung einer Selbsthilfe im obigen Sinne zu machen.
Mit Unterstützung des Kreisverbandsvorstandes, an dessen Spitze Kreisfeuer-
wehrinspektor Franz Beißmann, Hechtsheim, sowie dem Kreisverbandsvor-
sitzenden, Kommandant Heinrich Seiler, Mainz-Mombach, und unter hervor-
ragender Mitwirkung des damaligen Branddirektors von Mainz, nachher Landes-
branddirektor von Hessen, Albert Noehl, Wiesbaden, gelang es nach zwei
vollen Jahren, bei den Kameraden die ins Feld geführten Bedenken zu beseitigen
und am 28. Oktober 1928 die Kreisfeuerwehr-Sterbekasse Mainz ins Leben zu rufen.
Mit Unterstützung des Ehrenbrandmeisters Peter Reichert und des damaligen
Kommandanten Franz Sprengard, Finthen, wurden Satzungen ausgearbeitet,
die vom Vorstand und der Generalversammlung des Kreisverbandes mit
einigen Verbesserungen genehmigt und angenommen wurden.
Gleichzeitig wurde ein Vorstand gebildet, der die Geschäfte der Kreisfeuerwehr-
Sterbekasse Mainz ehrenamtlich führte.
Dieser setzte sich wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender: Kommandant Franz Beißmann
Freiwillige Feuerwehr Mainz-Hechtsheim
2. Vorsitzender Kommandant Heinrich Seiler
Werkfeuerwehr Westwaggon Mainz-Mombach
Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes
Schriftführer: Brandmeister Jakob Heinrich
Freiwillige Feuerwehr Finthen
Kassierer: Kommandant Heinrich Wolf
Freiwillige Feuerwehr Ober-Olm
Beiräte: Branddirektor Albert Noehl
Berufsfeuerwehr Mainz
Kommandant Heinrich Schmitz
Feiwillige Feuerwehr Zornheim
Kommandant Heinrich Stenner
Freiwillige Feuerwehr Mainz-Bretzenheim
Kommandant Peter Knab
Freiwillige Feuerwehr Gau-Bischofsheim
Kommandant Franz Ammann
Freiwillige Feuerwehr Mainz-Gonsenheim
Brandmeister Karl Schreiber
Freiwillige Feuerwehr Mainz
In den Gründungsjahren 1928 - 1929 traten folgende Wehren der Kreisfeuer-
wehr Sterbekasse Mainz bei:
Freiwillige Feuerwehr Amöneburg / Freiwillige Feuerwehr Bischofsheim /
Freiwillige Feuerwehr Budenheim / Freiwillige Feuerwehr Bretzenheim /
Freiwillige Feuerwehr Ebersheim / Freiwillige Feuerwehr Essenheim /
Freiwillige Feuerwehr Drais / Freiwillige Feuerwehr Finthen / Freiwillige
Feuerwehr Ginsheim / Freiwillige Feuerwehr Gau-Bischofsheim / Freiwillige
Feuerwehr Harxheim / Freiwillige Feuerwehr Hechtsheim / Freiwillige
Feuerwehr Laubenheim / Freiwillige Feuerwehr Klein-Winternheim /
Freiwillige Feuerwehr Marienborn / Freiwillige Feuerwehr Mainz-Kastel /
Freiwillige Feuerwehr Mainz-Kostheim / Freiwillige Feuerwehr Mainz-Gonsenheim
Freiwillige Feuerwehr Mainz-Mombach / Freiwillige Feuerwehr
Mainz / Freiwillige Feuerwehr Mainz-Weisenau / Freiwillige Feuerwehr
Nieder-Olm / Freiwillige Feuerwehr Ober-Olm / Freiwillige Feuerwehr
Zornheim / Berufsfeuerwehr Mainz sowie die Werksfeuerwehren M.A.N.
Gustavsburg / V.D.M. Gustavsburg und der Westwaggon Mainz-Mombach.
In den Kriegsjahren, bis einschließlich 1945, wurde unsere Gemeinschaft vor
eine harte Bewährungsprobe gestellt. Nicht weniger als 123 aktive, treue Feuer-
wehrkameraden verloren ihr junges Leben in diesem Völkerringen.
Ihren Angehörigen wurde das damalige Sterbegeld von RM 400,-- ausbezahlt.
Die Kreisfeuerwehr-Sterbekasse wurde auch in den schweren Nachkriegsjahren
unter großen Schwierigkeiten weitergeführt. Der absolute Nullpunkt in der Ge-
schichte unserer Kreisfeuerwehr-Sterbekasse Mainz war die Währungsreform
im Jahre 1948.
Das Gesamtvermögen an diesem Tag betrug ganze DM 586,68 !
Aber auch dieser schwere Schlag konnte die Solidarität unter den Wehren nicht
beeinträchtigen. Durch einen Sonderbeitrag von DM 0,50, den jedes Mitglied
zahlte, wurde die Kreisfeuerwehr-Sterbekasse wieder auf eine solide finanzielle
Grundlage gestellt.
Bis zum 25jährigen Jubiläum im Jahre 1953 waren folgende Neuzugänge an
Feuerwehren zu verzeichnen:
Werkfeuerwehr Chemische Werke Albert / Freiwillige Feuerwehr Bodenheim /
Freiwillige Feuerwehr Hahnheim / Freiwillige Feuerwehr Oppenheim.
Es wurden bis dahin für 610 Sterbefälle insgesamt DM 240.670,00 ausbezahlt
und der Mitgliederstand war auf 1707 Feuerwehrkameraden angewachsen.
Bis zum 50jährigen Jubiläum im Jahre 1978 traten neun weitere Feuerwehren
in die Feuerwehr Sterbekasse Mainz ein, und zwar:
Werkfeuerwehr Jenaer Glaswerke Mainz / Werkfeuerwehr PWA/Apura Mainz-
Kostheim / Betriebsfeuerwehr Kraftwerke Mainz-Wiesbaden / Betriebsfeuer-
wehr Hakle GmbH Mainz / Freiwillige Feuerwehr Gustavsburg / Freiwillige
Feuerwehr Gau-Algesheim / Freiwillige Feuerwehr Nackenheim / Freiwillige
Feuerwehr Heidesheim / Freiwillige Feuerwehr Wackernheim.
In diesen 25 Jahren wurden weitere DM 443.400,00 an die Hinterbliebenen
verstorbener Kameraden ausbezahlt und der Mitgliederstand hatte sich auf
2195 Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden erhöht.
Bis zum heutigen Tag traten noch die Freiwillige Feuerwehr Ockenheim sowie
die Betriebsfeuerwehr Resart-Ihm der Feuerwehrsterbekasse Mainz bei.
Bedingt durch die Auflösung der Betriebsfeuerwehren der Kraftwerke Mainz-
Wiesbaden sowie Resart-Ihm gehören heute nur noch insgesamt 40 Feuerwehren
der Feuerwehr Sterbekasse an. Die meisten der von den Auflösungen betroffenen
Kameraden wurden von den anderen Mitgliedswehren übernommen.
In dieser Zeit wurden weitere DM 627.951,00 ausbezahlt.
Besonders stolz sind wir auf die steigenden Leistungen unserer Feuerwehr-
Sterbekasse Mainz, obwohl der Beitrag des einzelnen Mitgliedes je Sterbefall bis
zum 30 06.1994 mit DM 0,30 gleich geblieben ist. Das ausgezahlte Sterbegeld
betrug zu diesem Zeitpunkt DM 600,--. Ab dem 01.07.1994 wurde der Beitrag pro
Sterbefall und Mitglied auf DM 0,50 erhöht, gleichzeitig wurde die Auszahlung des
Sterbegeldes auf DM 1.000,00 angehoben.
Durch die Währungsumstellung auf Euro zum 01.01.2001 wurde der Beitrag
der einzelnen Mitglieder auf Euro 0,30, die Auszahlung pro Sterbefall auf
Euro 550,00 durch die Generalversammlung festgelegt.
Bis zum 31.01.2003 wurden an die Angehörigen von verstorbenen
Feuerwehrkameraden die stolze Summe von
DM 1.312.021,00 bzw. EURO 670.825,69
ausbezahlt, fürwahr eine enorme Summe, aufgebracht
von Feuerwehrkameraden
für Feuerwehrkameraden.
Diese stolze Bilanz ist der Treue der Mitglieder zu ihrer Feuerwehr Sterbekasse
und der ehrenamtlichen Pflichterfüllung der einzelnen Vorstände unserer Feuer-
wehr Sterbekasse seit 1928 zu verdanken!
Wir sind der festen Zuversicht, dass dieses humanitäre Werk auch in Zukunft,
getragen von dem kameradschaftlichen Geist unserer Feuerwehren,
fortbestehen wird zum Wohle aller Feuerwehrkameraden sowie Ihrer
Angehörigen.
Der aktuelle Mitgliederstand zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Chronik:
2187 Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden.
DER VORSTAND
Februar 2003